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Der Riss im Raster – Ein Plädoyer für die Funken, die wir zu oft ersticken

Ein Essay über die stille Revolte gegen das Gewöhnliche: über den Hunger nach intensiverem Leben, den Mut zur eigenen Wahrheit und die Magie, die entsteht, sobald wir aufhören, uns selbst zu begrenzen.

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Bei einer Vernissage blieb ich vor einem Bild des Künstlers von Motz stehen. Darauf stand ein Satz, der mich seitdem nicht mehr loslässt: „Fuck normal I want MAGIC“

Der Satz schlägt ein wie eine schmutzige Wahrheit, die sich schon lange in uns regt: dass das, was wir Normalität nennen, oft nur die Summe unserer Kompromisse ist. Normal ist das Geräusch des eingespielten Alltags, die vorgegebene Geschwindigkeit, mit der wir uns durchs Leben bewegen, damit wir nicht auffallen, niemanden stören, uns nicht selbst infrage stellen müssen. Normal ist eine Architektur der Gewöhnung: stabil, funktional, seelenarm.

Normalität ist oft nur der Ort, an dem wir uns selbst abstellen.

Doch Magie—dieses unpräzise, unerhörte Wort—zielt auf etwas, das sich nicht sauber definieren lässt, gerade weil es uns nicht gehorcht. Magie ist der Moment, in dem wir uns selbst überraschen. Eine Verformung unserer Wahrnehmung, ein Riss im Raster, ein plötzlicher Überschuss an Lebendigkeit, der uns zwingt, mit einem anderen Blick weiterzugehen. Magie ist kein glitzerndes Spektakel. Sie ist die Intensität, die uns zu lange gefehlt hat.

Intensität ist kein Luxus. Sie ist ein Lebenszeichen.

Warum also folgen wir solchen Slogans? Weil sie das Unausgesprochene offenlegen: Wir hungern. Nicht nach mehr Effizienz, nicht nach perfektionierter Routine—sondern nach dem Gefühl, dass unser Leben nicht vollständig katalogisierbar ist. Wir sehnen uns nach einem Ereignis, das uns aus der Gleichmäßigkeit löst und wieder zu Beteiligten unserer eigenen Existenz macht.

Normalität bietet Sicherheit, aber keine eigene Wahrheit. Sicherheit ist günstig, Wahrheit kostet Mut. „Fuck normal“ ist kein Aufruf zur Flucht, sondern zur Rückkehr: zu jenem inneren Ort, an dem wir noch gespürt haben, dass wir lebendig sind und nicht nur funktional.

Wir fürchten das Außergewöhnliche, weil es uns an unsere Möglichkeiten erinnert.

Magie beginnt dort, wo wir riskieren, uns zu zeigen. Wo wir uns erlauben, ein Verlangen nicht wegzuerklären. Wo wir zulassen, dass ein Weg nicht vorhersehbar, ein Gefühl nicht vernünftig, ein Wunsch nicht optimiert ist.

Vielleicht sehnen wir uns nicht nach Magie, weil die Welt zu wenig davon bietet, sondern weil wir selbst zu selten bereit sind, den Preis ihrer Erscheinung zu zahlen: Verletzbarkeit, Konsequenz, Verantwortung für unsere eigenen Intensitäten.

Wir haben uns an ein Leben gewöhnt, das weniger von uns verlangt, als wir geben könnten.

„Fuck normal“ ist dann weniger ein Rebellionsspruch als eine Erinnerung: dass jedes Leben immer wieder neu entschieden werden will. Dass Magie nicht das Gegenteil von  Realität ist, sondern das Gegenteil von Resignation. Und dass der Moment, in dem wir uns weigern, kleiner zu sein als unser eigenes Staunen, der Moment ist, in dem wir beginnen, unser Leben selbst zu erschaffen.

Magie entsteht nicht irgendwo. Sie entsteht dort, wo wir aufhören, uns mit dem Vertrauten zu verwechseln. Und wo wir—trotz Angst, trotz Risiko—den Mut haben, uns von unserer eigenen Sehnsucht treffen zu lassen.

Woran erkennst du dich? Bleib dir spürbar.

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Albina Rolsing – Coach, Gründerin von Der Innere Loop, Buchautorin und Künstlerin. Seit über 20 Jahren begleite ich Menschen in ihrer Entwicklung – mit Fokus auf Selbstbestimmung, Klarheit, Souveränität, Wachstum und Lebensfreude – mit Ambition und Gelassenheit.

Der Coaching-Ansatz Der Innere Loop verbindet Reflexion und Wandel – und schafft einen Raum, in dem Menschen ihr Leben selbstbewusst gestalten – im Einklang mit ihrem inneren Selbst.

Gedanken, die berühren. Worte, die wirken.